Geschichte

 

Die Geschichte des Helpermaart”

 

Während Jahrhunderten wurde jährlich am 3. Mai das Fest der Kreuzfindung in der Pfarrei Helpert besonders gefeiert, da dieser Tag für die damals fast ausschliessliche Bauernbevölkerung den Anfang vieler bäuerlichen Arbeiten bedeutete. Am selben Tag wurde auf dem Helperknapp der >>Helpermaart<< abgehalten. Von weit her kamen die Kaufleute mit ihren Wagen und Planen , um sich für einige Stunden auf der Höhe des Bergkegels, welcher majestätisch über die herumliegenden Dörfer thront, niederzulassen um ihre Ware feil zu bieten. Der Helpermaart entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem der bedeutesten Viehmärkte des Landes. « Päärdsfokkerten » und andere Händler die von weit herkamen (aus Paris, dem Elsass, aus Arlon und Brüssel) bevölkerten neben einheimischen Kaufleuten den Helpermaart und sorgten für guten Absatz ihrer Wagen. Nebst dem Vieh wurden auch Textilien, Tücher, Baumwollprodukte, Hüte und dergleichen mehr angeboten.

 

Drei goldene Kugeln, aufgedruckt auf dem grünen Bergkegel, die auf dem Wappen unserer Gemeinde zu sehen sind, bezeugen heute noch den wirtschaftlichen Reichtum dieses Marktes und die damals wichtige Bedeutung des « Helperknapp ».

 

Die Aufsicht über den Helpermaart oblag im Mittelalter am Vormittag dem Herren von Hollenfels, während am Nachmittag der Herr von Esch im Loch (Esch-Sauer) für Ordnung und Recht beim bunten Markttreiben zu sorgen hatte. Diesen Herren mussten die Leute als « Standgeld » den dreissigsten Teil ihrer Einnahmen abtreten. Ausserdem musste, « wer auf dem Markt Wein zapfte oder Bier, dem Herrn ein Mass davon ausschenken » und « wer auf einem Karren Brot verkauft, dem Herrn zwei Brot abtreten, ein kleines und ein grosses ». Verliess ein Händler den Marktplatz ohne sein « Standgeld » entrichtet zu haben, durfte er verfolgt werden, « so weit das Herzogtum Luxemburg reichte und die Grafschaft Chiny dazu ». Wurde er gefasst, so brachte man ihn zur Burg Hollenfels, wo er seine Schulden dann abarbeiten musste.

 

Die Marktsitten mussten damals allgemein sehr streng gewesen sein, denn alte Schriften belegen dass « wer ausgezogen war um Streit und Zank zu betreiben, der hatte die rechte Hand und den rechten Fuss verwirkt » ; wenn einer sich beim Helpermaart einer kriminellen Handlung schuldig machte, so durfte er, falls keiner mit Silber und Gold beim Herrn für ihn bürgte, gar am nächstgelegenen Baum aufgehängt werden ; falls er Glück hatte, begnügte sich der zuständige Herr eventuell damit, ihn mit auf seine Burg zu nehmen um ihn dort im meist nicht sehr eleganten und komfortablen Burgverliess über seine Tat nachdenken zu lassen.

 

Trotz mehrerer Versuche der Gemeinde Mersch (1800), Böwingen (1803) - Buschdorf war damals noch eine « municipalité », zu der der Helperknapp gehörte – und Diekirch (1809), sich den beliebten und erfolgreichen Helpermaart unter den Nagel zu reissen, verblieb der Helpermaart auf dem Helperknapp. Im Jahre 1832 wurde (wahrscheinlich aus sehr praktischen Gründen, nähmlich zwecks Vermeiden des doch einigermassen steilen Berganstiegs) der Helpermaart vom Helperknapp nach Finsterthal verlegt.

 

Im Jahr 1923 verkaufte die Gemeindeverwaltung von Böwingen die Konzession des Jahrmarktes an die Gemeinde von Mersch. Die „Entente Helpermaart“ ergriff 1989 die Initiative und gab der alten Tradition neuen Antrieb. Jährlich am Pfingstsonntag belebt sie die Dorfstrassen mit einer Atmosphäre, wie sie früher auf der Anhöhe des Helperknapps nicht bunter sein konnnte.